Marcia Angell - Der Pharma-Bluff
Wie innovativ die Pillenindustrie
wirklich ist

Kritisches
Buch zu – problemlos auf den deutschsprachigen Raum übertragbaren
– üblichen und üblen Marketingstrategien für
Medikamente und psychiatrische Psychopharmaka. Über Arzneimittelprüfungen
an Freiwilligen, das Missverhältnis zwischen Ausgaben für
Forschung und Werbung sowie gefälschte Zahlen, Scheininnovationen,
Abzocke der Steuerzahler, Einseitigkeit bei der Publizierung unangenehmer
Erkenntnisse oder schlichtes Verschweigen, Bestechung, direkte
Verbraucherwerbung, als Fortbildung, Forschung und Aufklärung
getarntes Marketing, Fachtagungen als Werbemaßnahmen, Dichtung
und Wahrheit bei klinischen Prüfungen u.v.m. Übersetzung
aus dem Amerikanischen von Sebastian Vogel, Originalausgabe 2004
Original-Verlagsinfo
Marcia Angell sorgte 2004 mit ihrem Buch "The
Truth About the Drug Companies" in den USA für Furore.
Ihr Werk bot sogar Zündstoff für den US-Präsidentschaftswahlkampf.
Denn die Autorin räumt darin mit dem Märchen von der
guten Pharma-Fee auf, die rein zum Wohle der Patienten immer neue
Arzneimittel herbeizaubert. Stattdessen zeugt ihr Buch von überhöhten
Arzneimittelpreisen, Scheininnovationen, Verflechtungen zwischen
Pharmaindustrie und Ärzten sowie zwischen Pharmaindustrie
und Politik. Das Erfolgsbuch liegt nun erstmalig in deutscher
Sprache vor.
Zum Inhalt des Buches
Die Pharmaindustrie wird nicht müde, sich ihrer
Innovationen zu rühmen. Und die Patienten glauben ihr nur
allzu gerne. Doch wie innovativ sind die Pillenhersteller wirklich?
Marcia Angell, Ärztin und renommierte Medizinjournalistin,
entzaubert am Beispiel USA den Mythos einer Branche. Die Autorin
räumt mit dem Märchen auf, dass die hohen Arzneimittelpreise
durch die Forschungs- und Entwicklungskosten begründet sind.
Sie widerspricht auch den Behauptungen der Pharmakonzerne, die
Menschheit doch ununterbrochen mit innovativen Arzneimitteln zu
beglücken – denn: echte Innovationen machen nur etwa
14 Prozent aller jährlichen Neuzulassungen aus. Die meisten
der als innovativ deklarierten Präparate sind lediglich Abwandlungen,
so genannte "Me-too"-Präparate (Nachahmermedikamente)
von bereits am Markt etablierten "Blockbustern". Für
diese Nachahmermedikamente muss die Branche nicht einmal nachweisen,
dass sie gegenüber den "alten" Präparaten
einen therapeutischen Vorteil haben. Bemühungen, dies zu
ändern, wehrt die mächtige Pharmalobby dank ihres enormen
Einflusses auf die Gesetzgeber in Washington erfolgreich ab. Und
was für die politischen Verstrickungen der Branche gilt,
gilt auch für ihren Einfluss auf die akademische Welt. Zu
60 Prozent finanziert die Pharmaindustrie die ärztliche Fortbildung
und bestimmt damit maßgeblich, was auf den Rezeptblock kommt.
Nicht nur vor dem Hintergrund von Vioxx und Sortis ist das Buch
auch für den deutschen Leser eine echte Bereicherung. Spannend,
faktenreich und zugleich locker zu lesen.
Über die Autorin
USA als anerkannte Expertin für das Gesundheitswesen.
Sie arbeitete 21 Jahre lang beim amerikanischen New England Journal
of Medicine, der weltweit renommiertesten medizinischen Fachzeitschrift,
zuletzt als Chefredakteurin. Sie ist Dozentin für Sozialmedizin
an der Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, USA. Das
US-Nachrichtenmagazin Time zählt Marcia Angell zu den 25
einflussreichsten Menschen Amerikas und das US-Wirtschaftsmagazin
Forbes listete ihr neuestes Buch unter "Business Books of
the Year 2004" an vierter Stelle.
Rezension
Kritisches und lesenswertes Buch zu – problemlos
auf den deutschsprachigen Raum übertragbaren – üblichen
und üblen Marketingstrategien für Medikamente und psychiatrische
Psychopharmaka. Über Arzneimittelprüfungen an Freiwilligen,
das Missverhältnis zwischen Ausgaben für Forschung und
Werbung sowie gefälschte Zahlen, Scheininnovationen, Abzocke
der Steuerzahler, Einseitigkeit bei Publikationen oder Unterdrückung
unangenehmer Erkenntnisse, Bestechung, direkte Verbraucherwerbung,
als Fortbildung, Forschung und Aufklärung getarntes Marketing,
Fachtagungen als Werbemaßnahmen, Dichtung und Wahrheit bei
klinischen Prüfungen. Ein Glossar hilft beim Verständnis
der amerikanischen Begriffe, Verbände und Verordnungen. Das
Buch handelt auch von psychiatrischen Psychopharmaka (u.a. dem
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Paxil [Wirkstoff Paroxetin, hierzulande
im Handel als Allenopar, Aroxetin, Deroxat, Ennos, Euplix, Oxet,
ParoLich, Paroxat, paroxedura, Paroxetin, Seroxat, Tagonis], und
Prozac [Wirkstoff Fluoxetin, hierzulande im Handel als Felicium,
Flox-ex, Fluctin, Fluctine, Fluneurin, Fluocim, Fluox, fluox-basan,
FluoxeLich, Fluoxemerck, Fluoxe-Q, Fluoxetin, Fluoxgamma, Fluoxibene,
Fluoxifar, FluoxiStad, Fluoxityrol, Flusol, Flux, Fluxet, Fluxil,
FluxoMed, Fysionorm, Mutan, Mutin, Positivum, Prozac], sowie dem
auch aus psychiatrischen Überlegungen heraus verwendeten
Antiepileptikum Neurontin [Wirkstoff Gabapentin). Der Verlag schreibt
zwar, die deutschen Markennamen würden nichts zum besseren
Verständnis der geschilderten Sachverhalte beitragen, aber
wenn schon einzelne amerikanische Markennnamen genannt werden,
möchte man doch gerne wissen, wovon die Autorin konkret spricht.
Aus diesem Grund habe ich die aktuellen (Stand: Juli 2005) Markennamen
im deutschsprachigen Raum hier aufgelistet. Übersetzung aus
dem Amerikanischen, Originalausgabe 2004.